„Was willst Du, dass ich Dir tue?“ – Dies ist für mich einer der beeindruckendsten Sätze Jesu, die mir aus der Bibel begegnen. Von einem blinden Bettler ist die Rede, dem wieder zum Sehen verholfen wird. Dieser Satz ist für mich deshalb so beeindruckend, weil er für mein Verständnis von kirchlichem Handeln an Menschen steht. Er ist dafür geradezu eine Schlüsselstelle. Eine Schlüsselstelle im wahrsten Sinne des Wortes, weil diese Worte der Schlüssel dafür sind, dass die Menschen Jesus „sehen“ bzw. erfahren können. Obwohl die Blindheit des Bettlers erkennbar gewesen sein dürfte, fragt Jesus ihn, was er ihm tun solle. Er hätte ihn ja gleich sehend machen können, ohne ihn zu fragen. Nein: Jesus fragt ihn zuvor ausdrücklich, er möchte von ihm die Antwort hören. Er nimmt den Bettler ernst, fragt ihn nach seinem „Bedarf“ – nach seiner Sehnsucht. Durch das Vorgehen Jesu wird nicht nur der Wunsch und die Sehnsucht des betroffenen Menschen berücksichtigt, sondern er wird dazu noch sprachfähig: er muss sagen, was er will. Dies verstehe ich unter kirchlichem Handeln: die Menschen zu fragen, was sie brauchen bzw. wonach sie sich sehnen. Eine Kirche, die so fragt, lässt Jesus durchscheinen. Die Bibel überliefert, dass der Mann nicht nur sehend geworden ist – dies muss man übrigens nicht ausschließlich im Wortsinn verstehen – sondern Jesus auch nachgefolgt ist. Ein „Sehend-Werden“ in einem mehrfachen Sinn.Wenn kirchliches Handeln Jesus durchscheinen lässt, kann spürbar werden, dass er es ist, der Sehnsüchte zu stillen vermag und Menschen zum Heil verhilft. Der Bettler wusste dies von Jesus, sonst wäre er nicht auf ihn zugekommen. Kirche soll eine Art „Werkzeug“ sein, um diesen sehend-machenden Jesus erfahrbar zu machen, sodass er als solcher wahrgenommen werden kann.„Ich will wieder sehen können“ – ist dazu die klare Antwort und zugleich Glaubensaussage des Bettlers, der in Jesus den sieht, der dazu verhilft.